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Schule

Was machen Lehrer eigentlich den ganzen Tag so? Ferien!

Ich kann den Spruch ja echt nicht mehr hören. Ach, du bist Lehrer, wegen der vielen Ferien, hä? Ja genau, ich habe mir nach dem Abitur überlegt, in welchem Job ich am meisten frei habe und genau den habe ich dann gewählt. Ne Quatsch, ich habe hier ja schon erzählt, warum ich Mathe- und Chemie-Lehrerin fürs Gymnasium geworden bin. Heute kläre ich alle da draußen sehr gerne mal auf, was wir Lehrer eigentlich so den ganzen Tag machen. Irgendwie schwirrt der Irrglaube rum, dass wir nur vormittags in der Schule sind, den Nachmittag frei haben und auch sonst ständig in den Ferien sind. Ich kann jetzt natürlich nur von hessischen Lehrern im Gymnasium reden, das mag in anderen Bundesländern anders aussehen.
Was machen Lehrer den ganzen Tag?
Wie viele Stunden arbeiten Lehrer eigentlich in der Woche?
Das ist schwer zu berechnen. Faktisch steht auf der Abrechnung, dass ich bei voller Stelle 26 Stunden Unterricht geben muss. Wenn man über eine bestimmte Zahl an Oberstufenstunden kommt, sogar nur 25. Das hört sich wenig an, aber dazu kommt noch das, was viele nicht sehen:
– Unterricht vorbereiten (In der Oberstufe rechnen ich alle Aufgaben vorher nochmal durch, damit ich sie besser erklären kann, das nimmt ziemlich viel Zeit in Anspruch)
– Arbeiten/Klausuren konzipieren und korrigieren
– 3 Vertretungsstunden pro Monat halten
– Gesamtkonferenzen, Pädagogischer Tag, Elternsprechtag, Tag der offenen Tür, Mathe-Samstag
– Klassenfahrten/Studienfahrten organisieren und betreuen
– Ausflüge planen und begleiten
– Abiturprüfungen schriftlich, mündlich, Präsentationen, Nachprüfungen
– Zusatzaufgaben (z.B. Fachsprecher, Sammlungsleiter, Homepage, Archiv, Bibliothek, …)
– Pausenaufsichten (danach ist man ein nervliches Wrack!)
– Elterngespräche, bzw. Emails (der schlimmste Teil am Lehrersein für mich)
– Klassenlehrer (Klassenkasse verwalten, Zeugnisse drucken, Probleme klären)
– Elternabende
– Noteneintragung
– Kopieren
– Gespräche mit Kollegen führen
– Mathewettbewerbe durchführen
– Einarbeiten in neue Schulbücher, Wechsel G9-G8-G9, Schulinterne Lehrpläne schreiben
– Chemieversuche vorbereiten und wieder wegräumen
– Lernstandserhebungen, Schulinspektionen
– Fortbildungen
Das ist dann doch einiges, wenn man es mal so festhält. Man rechnet damit, dass ein Lehrer in Vollzeit etwa 40 Stunden pro Wochen arbeitet. Wobei man da auf jeden Fall differenzieren muss. Ich als Mathelehrer korrigiere sicher schneller als ein Deutschlehrer. Ein Reli- und Sportlehrer, der nie eine Klassenleitung bekommt, kommt bestimmt auch ganz gut klar. Es gibt nämlich nicht nur gehässige Kommentare von außen, die gibt es auch bei uns im Lehrerzimmer. „Der macht überhaupt nichts zusätzlich, der macht nie Klassenleitung, der hat keinen Nachmittagsunterricht, die korrigiert immer viel mehr als andere, …“.
Wie viele Stunden arbeiten Lehrer in der Woche?
Was machen Lehrer in den Ferien?

 

Sehr beliebte Frage. „Habt ihr in den Ferien wirklich frei? Sechs Wochen lang?“ Jein. Das kommt mal wieder drauf an. Wenn man wie ich jetzt eine Abiturklasse unterrichtet, dann sind die Osterferien eigentlich nur zum Korrigieren. Ich muss 18 Mathe-Klausuren meiner eigenen Schüler und 15 Klausuren meiner Kollegin durchschauen, bewerten und einen Erwartungshorizont schreiben. In Mathe schaffe ich das wohl in einer Woche, die Sprachen- und Deutschlehrer haben es da schwerer. Generell erledige ich in den Ferien viele Sachen, zu denen ich sonst nicht komme. Ich räume meinen Arbeitsplatz auf, organisiere meine Notenlisten, schaue, wann ich welche Arbeiten schreiben kann und bereite schonmal einiges vor. Die Winterferien bieten sich dazu an, Noten zu machen. Oder die letzten Arbeiten zu korrigieren. Ich versuche immer, die nicht mit in die Ferien zu nehmen, dann sitze ich halt vorher am Wochenende da. Die Sommerferien sind tatsächlich die entspanntesten, weil das Schuljahr zu Ende ist. Wenn man Pech hat, muss man Nachprüfungen machen oder protokollieren. Außerdem gibt es eine Dienstversammlung am letzten Freitag. Ich nutze meist die letzten Wochen, um die erste Woche zu planen. Gerade, wenn man eine 5. Klasse übernimmt, gibt es so viel zu organisieren am Anfang. Und man sollte schonmal schauen, wo die nächste Klassenfahrt hingehen könnte. Die beliebtesten Ziele sind nämlich schnell weg.
Im Übrigen bedenkt auch keiner, dass wir nur in den teuren Ferien verreisen können und ich mir nicht einfach mal so einen Tag freinehmen kann.
Was machen Lehrer in den Ferien?
Kann jeder Lehrer werden?

 

Theoretisch natürlich schon. Dazu muss man zwei oder mehr Fächer gut beherrschen, diese muss man nämlich studieren, parallel. Ich habe das Grundstudium Mathe und Chemie gemacht sowie Pädagogik und Psychologie. Wenn man das überstanden hat nach mindestens 5 Jahren, geht man ins Referendariat. Das ist eine harte Zeit, weil man ständig Überprüfungen hat und zusätzlich irgendwelche Seminare besuchen muss. Hier gibt es eine Abschlussprüfung plus eine zweite Examensarbeit. Tatsächlich stellt man entweder schon im Praktikum während des Studiums oder spätestens jetzt fest, dass man nicht vor Schülern reden kann. Oder dass die einem nicht zuhören. Ich habe da so einige erlebt, die die Phase nicht geschafft haben. Oft wird die Arbeit mit den Kindern nämlich unterschätzt. Lehrer müssen eine unglaubliche Geduld haben, müssen sich gut durchsetzen können und dabei mit Witz und Charme die Schüler einnehmen. Glaubt mir, das ist schwieriger als man so denkt. Es gibt Tage, da bin ich tierisch gereizt, da raste ich auch mal aus. Aber normalerweise komme ich ziemlich gut klar mit den Kids. Wenn ich meinem Mann dann aber so manche Geschichten erzähle, dann schluckt er meist und hat großen Respekt vor meinem Beruf. Und die Arbeit mit den Eltern kann einem den letzten Nerv rauben. Ich hatte da gerade so einige Fälle, da bin ich schon an meine Grenze gestoßen. Manche Eltern nehmen sich einfach unglaublich viel raus. Aber das wäre einen eigenen Post wert.
Das sollte jetzt keine Abschreckung meines Berufes sein, ich liebe ihn und würde ihn mir immer wieder aussuchen. Aber nicht wegen der Ferien, sondern weil das Arbeiten mit Kindern meine Leidenschaft ist. Ich wollte einfach mal einen Einblick geben für die, die meinen, wir sonnen uns den ganzen Tag und schreiben Posts oder so 😉